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Mit mehr als 600 Teilnehmenden aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zählt die Tagung für Betriebliche Gesundheitsförderung zu den wichtigsten Fachveranstaltungen in der Schweiz. Die über 40 Symposien mit bedeutenden nationalen und internationalen Referenten beleuchteten ein breites Themenspektrum rund um Stressmanagement in Schweizer Unternehmen und zeigten wirksame Lösungsvorschläge für die Prävention auf.
Schweizer Studien bringen Klarheit
Im Rahmen der Tagung wurden erstmals die Ergebnisse einer von Gesundheitsförderung Schweiz und dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV im Jahr 2008 initiierten Pilot-Studie zur Stressprävention der Fachwelt vorgestellt. Das Projekt SWiNG – der Name steht für Stressmanagement, Wirkung und Nutzen betrieblicher Gesundheitsförderung – untersuchte einerseits Stressursachen sowie die negativen Folgen von Stress; andererseits wurden die Wirkungsweise und der ökonomische Nutzen von verschiedenen Präventionsmassnahmen analysiert. Dafür wurden verschiedene Stressinterventionen in acht Testbetrieben, darunter ABB Turbo Systems, Nestlé Schweiz und das Spital Riviera am Genfersee, über einen Zeitraum von 2,5 Jahren umgesetzt und evaluiert. Die Ergebnisse zeigen klar, dass sich systematisches Stressmanagement in Grossbetrieben lohnt. Dr. Bettina Schulte-Abel, Leiterin Programme und Vize-Direktorin von Gesundheitsförderung Schweiz, fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen: „SWiNG zeigt eindeutig, dass eine systematische Stressintervention möglich ist. 25 Prozent der über 5000 an der Studie beteiligten Mitarbeitenden fühlten sich dank der Interventionen weniger gestresst. Die Produktivität in den untersuchten Betrieben konnte so nachhaltig gesteigert und die Absenzen reduziert werden. Jedes Management hat es also in der Hand, ob seine Mitarbeitenden unter Stress leiden.“
Ebenfalls an der Tagung präsentiert wurden die Ergebnisse einer Erhebung zur Häufigkeit von Stress in der Schweiz, die im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) durch Prof. Simone Grebner von der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt wurde. Die Studie untersucht Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen, Personenmerkmalen, Befinden und Gesundheit. Mit über vier Millionen Erwerbstätigen steht mehr als die Hälfte der Schweizer Wohnbevölkerung im Arbeitsprozess. Trotz ihres guten allgemeinen Gesundheitszustandes fühlen sich laut der Umfrage rund ein Drittel der Erwerbstätigen häufig oder sehr häufig gestresst. Das Erleben von Stress korreliert vor allem mit langen Arbeitstagen, unklaren Anweisungen, emotionalen Anforderungen und dem Erledigen von Arbeitsaufgaben in der Freizeit. Ein gutes Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten korreliert mit höherer Arbeitszufriedenheit und niedrigem Stressempfinden.
Breites Spektrum in Theorie und Praxis
Das Tagungsthema «Stress und Arbeit» wurde in zahlreichen weiteren Referaten anerkannter Fachleute von verschiedenen Seiten beleuchtet. Dr. Dominique Chouanière, Leiterin der Abteilung Mensch und Arbeit sowie Verantwortliche für die Thematik Psychosoziale Risiken am Institut National de Recherche et de Sécurité (INRS) in Vandoeuvre / Frankreich, gab einen historischen Überblick zu Methoden und Ansätzen in der Prävention von Stress am Arbeitsplatz. Während der bekannte Arbeitspsychologe Prof. Norbert Semmer von der Universität Bern die Rolle von Wertschätzung und Kränkung im Zusammenhang mit Stress und Gesundheit am Arbeitsplatz erläuterte, beschäftigte sich Prof. Wilmar B. Schaufeli von der Universität Utrecht mit der Frage, wie sich Arbeitsengagement und Motivation in Unternehmen gezielt fördern lassen. Weiterhin zeigte Prof. Dr. iur. Wolfgang Portmann von der Universität Zürich anhand von erfolgreichen Stresshaftungsklagen aus der Schweiz, England, Irland und Italien die Folgen einer schlechten Work-Life-Balance für Unternehmen aus juristischer Sicht auf.
In den insgesamt 46 Symposien zogen darüber hinaus – nebst dem Forum BGM Ostschweiz und bekannten Schweizer Institutionen und Betrieben wie ETH Zürich, Axa Winterthur oder der SBB – vor allem die Praxis-Workshops der acht SWiNG-Pilotbetriebe viel Publikum an. Ein weiteres Schwerpunktthema der Symposien bildete die Stressprävention in den rund 3'000 öffentlichen Verwaltungen der Schweiz.