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Für die Ölpreise kann davon ausgegangen werden, dass diese für längere Zeit auf ihrem derzeitigen Niveau von rund 60 US-Dollar bleiben, wobei es Risiken in beide Richtungen gibt. Während aufgestockte Lagerbestände und eine nachlassende Marktanspannung durchaus einen Rückgang der Notierungen auslösen könnten, bleibt die Angebotsentwicklung weiterhin mit politischen Unsicherheiten (z.B. Konflikt um das iranische Atomprogramm) und damit dem Risiko abrupter Engpässe behaftet.
In der Schweiz verlief die konjunkturelle Expansion über das gesamte vergangene Jahr hinweg robust und breit abgestützt auf Ausland- und Inlandnachfrage. Hervorzuheben sind dabei die positive Rolle des privaten Konsums auf der Verwendungsseite sowie die Wertschöpfung des Finanzsektors auf der Entstehungsseite. Die Konjunkturdaten der letzten Monate belegen, dass sich der Aufschwung seit Herbst weiter gefestigt hat. So haben sich die Anzeichen für eine positive Trendwende auf dem Arbeitsmarkt sowie für eine Belebung der Unternehmensinvestitionen verstärkt. In den Anfangsmonaten des Jahres 2006 scheint sich die Stimmung sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Konsumenten weiter verbessert zu haben.
Auch in der Schweiz dürften die Impulse der in den letzten Jahren sehr günstigen monetären Rahmenbedingungen – vor allem infolge rekordtiefer Zinsen – allmählich nachlassen. Angesichts der nach wie vor geringen Teuerungsgefahr dürfte aber der Zinsanstieg am kurzen wie am langen Ende relativ gemächlich vonstatten gehen.
Für das laufende Jahr geht die Expertengruppe des Bundes nach wie vor von einer robusten konjunkturellen Expansion der Schweizer Wirtschaft aus. Für das Gesamtjahr 2006 wird mit einem BIP-Wachstum von 2% gerechnet, was im Vergleich zur letzten Prognose von Anfang Januar (1,8%) nochmals eine leichte Korrektur nach oben bedeutet. Eine Beschleunigung dürfte sich im Jahresverlauf, angesichts stark ausgelasteter technischer Kapazitäten und optimistischer Unternehmenserwartungen, insbesondere bei den Ausrüstungsinvestitionen einstellen. Das für 2006 prognostizierte Wirtschaftswachstum liegt in der Grössenordnung der beiden vorangegangenen Jahre (2,1% 2004 resp. 1,9% 2005, jeweils provisorische Werte), womit der solide Konjunkturaufschwung, nach der ausgeprägten Flaute der vorangegangenen drei Jahre, anhält (2001 +1,0%; 2002 +0,3%; 2003 -0,3%).
Im Jahr 2007 dürften die konjunkturellen Auftriebskräfte leicht nachlassen; im Jahresdurchschnitt wird, wie bereits in der Januarprognose, mit einem BIP-Wachstum von 1,5% gerechnet. Die Verlangsamung ist vor allem in den etwas weniger günstigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen begründet, die das Exportwachstum dämpfen werden. Hinzu kommt, dass bei einzelnen Komponenten der Inlandnachfrage nach drei relativ starken Jahren eine gewisse Normalisierung zu erwarten ist; dies gilt insbesondere für die Bauinvestitionen, in geringerem Ausmass auch für den privaten Konsum. Letzterer sollte aber weiterhin solide expandieren können, weil den voraussichtlich dämpfenden Wirkungen höherer Zinsen und anhaltend hoher Ölpreise positive Impulse vom Arbeitsmarkt gegenüberstehen werden.
Die begonnene Erholung am Arbeitsmarkt dürfte sich im Jahresverlauf 2006 festigen und auch im nächsten Jahr fortsetzen. Die Expertengruppe prognostiziert eine Zunahme der (vollzeitäquivalenten) Beschäftigung um 0,5% 2006 und 0,3% 2007. Die Verbesserung der Arbeitsmarktlage dürfte sich auch in einem Rückgang der Arbeitslosenquote auf 3,4% im Jahresdurchschnitt 2006 und 3,1% 2007 niederschlagen.
Die Konjunkturrisiken erscheinen als mehr oder weniger ausgewogen. Falls die in den letzten Monaten feststellbare Stimmungsverbesserung in der Wirtschaft dazu führt, dass nach Jahren der Vorsicht die Sach- und Personalkapazitäten nun rascher und stärker als erwartet ausgeweitet werden, könnte auch das Jahr 2006, wie bereits das vergangene Jahr, nochmals für eine positive Überraschung sorgen. Gleichwohl gibt es nach wie vor auch Risiken für eine schwächere Entwicklung, die hauptsächlich im weltwirtschaftlichen Bereich liegen, insbesondere bei den Finanzmärkten und der Wechselkursentwicklung. So besteht Unsicherheit über das Ausmass der dämpfenden Wirkungen steigender Zinsen auf die Finanzmärkte und auf die internationale Konjunktur, insbesondere im Hinblick auf den privaten Konsum in den USA. Darüber hinaus könnten steigende Zinsen sowie den Erwartungen nicht gerecht werdende Unternehmensgewinne weltweit zu Rückschlägen an den bislang haussierenden Aktienmärkten führen, was dann wiederum die Konjunktur belasten dürfte. Ein latentes Risiko bildet das massive US-Leistungsbilanzdefizit und seine mögliche Rückwirkung auf den Dollarkurs.