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CSR Anwendungsinstrumente für Unternehmen

CSR hilft Unternehmen, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten und die Risiken in ihrer Wertschöpfungskette mit negativen Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit früh zu erkennen. Das SECO unterstützt Instrumente, die Unternehmen – insbesondere KMU – bei der praktischen Umsetzung von verantwortungsvollem Handeln helfen.

Wegweiser in 3 Richtungen: Guidance, Assitance und Support

Praktische Schritte und Instrumente zur Sorgfaltsprüfung

Unternehmen können zum wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Fortschritt beitragen, indem sie die tatsächlichen und potenziellen negativen Auswirkungen ihrer eigenen Aktivitäten sowie entlang ihrer Wertschöpfungskette ermitteln und diese möglichst vermeiden. Die OECD-Leitfäden empfehlen hierfür eine risikobasierte Sorgfaltsprüfung in sechs Schritten. Der Bund unterstützt zudem Instrumente für spezifische Themen und Branchen. Ein wichtiger Aspekt der Sorgfaltsprüfung ist der stetige Dialog mit den Stakeholdern des Unternehmens, also Personen, die von den Geschäftsaktivitäten betroffen sind.

Tipp für KMU: Oft handeln KMU verantwortungsvoll, ohne sich dessen bewusst zu sein. Zwar verfügen sie möglicherweise über weniger personelle und finanzielle Ressourcen für eine Sorgfaltsprüfung. Gleichzeitig sind sie oft flexibler bei der Entwicklung und Umsetzung von Strategien und haben eine geringere Anzahl möglicher negativer Auswirkungen und Lieferanten zu berücksichtigen. Unternehmen mit begrenzten Ressourcen können sich bei der Sorgfaltsprüfung stärker auf kooperative Ansätze stützen und müssen bei der Priorisierung der Risiken sorgfältigere Entscheidungen treffen.

  • KMU Sustainability Hub: Das Global Compact Netzwerk Schweiz bietet Schulungen und Instrumente zur Ermittlung der Auswirkungen von KMU auf die Nachhaltigkeit an. Dazu gehört ein Handbuch, das KMU hilft, in vier Schritten die wichtigsten Massnahmen festzulegen und darüber zu berichten.
  • Praxis-Leitfaden für die menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung: Unterstützt Unternehmen bei der menschenrechtlichen Sorgfaltsprüfung gemäss den Leitlinien über Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen und den OECD-Leitfäden zur Sorgfaltsprüfung.
  • Toolbox Agenda 2030 für Unternehmen: Enthält praktische Instrumente und gute Beispiele, die sich an der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und den darin verankerten 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung orientieren.
  • Instrumentarium des Vereins Go for Impact: Filtert nach Leitfäden, webbasierten Instrumenten etc. für das nachhaltige Lieferantenkettenmanagement.

Schritt 1: Unternehmenspolitik zu verantwortungsvollem Verhalten verankern

Für die Nachhaltigkeit von Unternehmen ist das Engagement und die Vorbildrolle der Eigentümer und des Managements von entscheidender Bedeutung. Unternehmen sollten eine Grundsatzerklärung zu verantwortungsvollem Handeln in Bezug auf Menschenrechte, Arbeitsaspekte, Umwelt und Bekämpfung der Korruption formulieren. Verantwortungsvolles Handeln soll in alle Unternehmensbereiche und -strategien einfliessen und Teil der Unternehmenskultur werden. Die Verantwortung sollte in internen Prozessen und Zuständigkeiten der Mitarbeitenden festgelegt werden.

Tipp für KMU: Die Nachhaltigkeit sollte fest im Tagesgeschäft verankert werden, wobei von Beginn an alle relevanten Abteilungen im Unternehmen einzubeziehen sind, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. Wichtig ist zudem, Mitarbeitende und Geschäftspartner über den Nutzen der Bemühungen zu informieren, damit sie die Massnahmen aktiv mittragen. Sie können vorhandene Ressourcen nutzen, z.B. Musterstrategien oder öffentliche Informationen zu Risiken in bestimmten Lieferketten. Zudem können sie technische Unterstützung von Branchenverbänden in Anspruch nehmen, in denen sie Mitglied sind. Durch die Anpassung relevanter Richtlinien sowie gezielte Pilotversuche können erfolgreiche Initiativen identifiziert, weiterentwickelt und im Unternehmen skaliert werden.

Schritt 2: Risiken identifizieren und priorisieren

Zu Beginn einer Strategie für verantwortungsvolle Unternehmensführung ist es wichtig, eine Übersicht zu erstellen, um mögliche Risiken negativer Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt zu identifizieren. Unternehmen analysieren dazu ihre eigenen Risiken sowie jene ihrer Geschäftspartner entlang der Wertschöpfungskette. Dazu nutzen sie Risikoindikatoren für Regionen, Rohstoffe, Produkte und Dienstleistungen. Dabei führen sie eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse durch, d.h. sie identifizieren Risiken und Chancen ökologischer und sozialer Faktoren für das Unternehmen sowie die positiven und negativen Auswirkungen des Unternehmens auf die Gesellschaft und die Umwelt. Anschliessend priorisieren Unternehmen die Risiken nach Schweregrad und Eintrittswahrscheinlichkeit.

Tipp für KMU: Die Art und der Umfang einer Risikoanalyse hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Grösse des Unternehmens, der Kontext und der Ort der unternehmerischen Tätigkeit, die Art der Produkte und Dienstleistungen sowie die Schwere der realen und potenziellen negativen Auswirkungen. Unternehmen mit weniger breit angelegten Geschäftstätigkeiten müssen möglicherweise keine detaillierte Risikoanalyse durchführen, bevor sie im nächsten Schritt mit der Bestimmung und Priorisierung spezifischer negativer Auswirkungen fortfahren. Dabei werden drei bis fünf Risiken mit höchster Priorität festgelegt.

  • CSR Risiko Check: Anonymes, webbasiertes und kostenloses Instrument, das mögliche soziale, ökologische und Governance-Risiken für Länder und Produkte und Empfehlungen basierend auf internationalen CSR-Standards zum Umgang mit den Risiken auflistet.
  • Studie «Umweltatlas Lieferketten Schweiz»: Zeigt Hotspots in der Lieferkette von acht relevanten Schweizer Branchen und Massnahmen zur Vermeidung bzw. Milderung negativer Auswirkungen auf die Umwelt auf.

Schritt 3: Negative Auswirkungen beseitigen, vermeiden und mindern

Unternehmen entwickeln präventive und korrigierende Massnahmen (z.B. Anpassung der Einkaufspraktiken, Überprüfung der Lieferanten und Durchführung von Schulungen für Mitarbeitende sowie Lieferanten). Negative Folgen sind auch zu vermeiden oder abzumildern, wenn das Unternehmen selbst nicht dazu beigetragen hat, diese aber im Rahmen einer Geschäftsbeziehung direkt mit seiner Tätigkeit, seinen Produkten oder seinen Dienstleistungen verknüpft sind. Die Zusammenarbeit mit einem Nachhaltigkeitssystem bzw. die Erlangung eines Labels oder einer Zertifizierung des Managementsystems und der Produkte können helfen, das Engagement zu stärken und sichtbarer zu machen.

Tipp für KMU: Um die Prioritäten eines Unternehmens im Hinblick auf die CSR zu verstehen, sind die Ansichten der Interessengruppen (z.B. Beschäftigte, Lieferanten, zivilgesellschaftliche Organisationen) wichtig. Die oft auf informellem Wege gepflegten Kontakte können systematischer genutzt werden, beispielsweise mithilfe eines «Mappings» und einiger standardisierter Fragen. Sie tragen dazu bei, das Wertschöpfungspotenzial systematisch einzuschätzen – von Einsparungen über neue Umsatzchancen bis hin zur Risikominderung. Auf dieser Grundlage werden klare Ziele definiert und ein konkreter Plan mit Massnahmen, Zeitplan und Ressourcen entwickelt. Klar definierte Verantwortlichkeiten und Regeln für die Zusammenarbeit im Unternehmen stellen sicher, dass die Umsetzung effizient gesteuert wird.

  • International Social and Environmental Accreditation and Labelling Alliance (nur in Englisch verfügbar): Eine Broschüre erklärt, wie Nachhaltigkeitssysteme die Sorgfaltsprüfung von Unternehmen unterstützen können. Der ISEAL Code of Good Practice, der entsprechende Leitfaden und die ISEAL Credibility Principles legen die Kriterien für glaubwürdige Nachhaltigkeitssysteme dar. Jene Systeme, die dem Kodex entsprechen, sind unter «ISEAL Community Members» und «ISEAL Code Compliant» aufgeführt.
  • ITC Standards Map (nur in Englisch verfügbar): Bietet einen Überblick über Standards und eine Klassifizierung von Nachhaltigkeitssystemen mit Fokus auf deren Anwendungsbereich.

Schritt 4: Massnahmen umsetzen und Wirkung überprüfen

Unternehmen setzen Massnahmen zur Bestimmung, Vermeidung und Minderung negativer Auswirkungen um. Bei Geschäftsbeziehungen wird gegebenenfalls auch Unterstützung bei der Wiedergutmachung geleistet. Sie überprüfen die Wirksamkeit dieser Massnahmen (z.B. mithilfe von Monitoring-Systemen, Lieferantenbewertungen, Feedback-Mechanismen oder Vor-Ort-Besuchen) und dokumentieren den Fortschritt. Eine externe Prüfung kann die Glaubwürdigkeit stärken und die Transparenz gegenüber Stakeholdern erhöhen. Die aus der Nachverfolgung gewonnenen Erkenntnisse sind wiederum anzuwenden, um künftige Prozesse zu verbessern.

Tipp für KMU: Neue Initiativen sollten zunächst in Pilotprojekten getestet werden, um aus ersten Erfolgen zu lernen und anschliessend wirksame Massnahmen gezielt zu skalieren. Externe Partner (z.B. Berater oder auf das jeweilige Gebiet spezialisierte Unternehmen) helfen dabei, eine Strategie aufzubauen und die entsprechenden Indikatoren, insbesondere in den Bereichen Umwelt und Personal, festzulegen. Bei Bedarf ziehen wir sie hinzu, um die erzielten Ergebnisse zu berechnen oder zu zertifizieren. Auf Basis des Feedbacks von Stakeholdern wird die Strategie angepasst und es werden neue Ziele definiert.

  • Studie des BAFU und SECO: Identifiziert elf Faktoren, die Schweizer KMUs dabei helfen, erfolgreich durch Kreislaufwirtschaft zu sein.
  • SME Climate Hub (in Englisch verfügbar): KMU können sich ein Bild von ihren Treibhausgasemissionen machen und Massnahmen ergreifen, um diese zu reduzieren.

Schritt 5: Berichten und Transparenz sicherstellen

Unternehmen berichten jährlich über Risiken, Massnahmen und Fortschritte zur Bestimmung und Behebung tatsächlicher sowie potenzieller negativer Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit. Bei der Berichterstattung können sie sich insbesondere an internationalen Standards orientieren. Abschliessend können die Ergebnisse über gezielte Kommunikationskanäle wie die Website, Angebote oder Briefings intern und extern geteilt werden, um das Vertrauen der Stakeholder in das Unternehmen zu stärken.

Tipp für KMU: Die relevanten Leistungskennzahlen werden pragmatisch erfasst, indem einfache Tabellen und bereits vorhandene Instrumente genutzt werden, um schnell Transparenz über Fortschritte zu gewinnen. Der jährliche Bericht dokumentiert die Entwicklungen und dient als internes Steuerungsinstrument.

Schritt 6: Wiedergutmachung ermöglichen

Unternehmen richten Beschwerdemechanismen für Personen ein, die von den negativen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit betroffen sind (z.B. Mitarbeitende, Drittpersonen). Dabei kann es sich um Mechanismen des Unternehmens selbst oder um anderweitige Beschwerdesysteme (z.B. von Multistakeholder-Initiativen) handeln. Die Mechanismen sollen legitim, zugänglich, berechenbar, unparteilich, transparent und dialogbereit agieren. Wenn ein Unternehmen feststellt, dass es negative Auswirkungen verursacht oder dazu beigetragen hat, sollen diese behoben werden. Unternehmen können auch mit Partnern zusammenarbeiten, um Wiedergutmachung zu leisten, wenn sie negative Auswirkungen verursacht oder mitverursacht haben.

Tipp für KMU: Die angemessene Form und der Umfang der Wiedergutmachung hängen von der Art und dem Ausmass der negativen Auswirkungen ab. Für KMU ist der Aufbau interner, unabhängiger Meldestellen oft anspruchsvoll. Externe, niederschwellige Angebote (z.B. von Branchenverbänden) bieten eine praktikable Alternative. Sie sind in der Regel gegen eine moderate Grundgebühr sowie fallbezogene Zusatzkosten verfügbar und gewährleisten eine professionelle und unparteiische Bearbeitung von Meldungen.

Relevante Themen

Die 6 Schritte: 1. Verankern von RBC; 2. Bestimmen & bewerten negativer Effekte; 3. Beseitigen, vermeiden oder mindern; 4. Nachfolgen; 5. Kommunikation; 6. Leisten von oder Kooperation bei Wiedergutmachung.

OECD-Leitfäden zur Sorgfaltsprüfung

Die Leitfäden helfen Unternehmen bei einer risikobasierten Sorgfaltsprüfung, um mögliche negative Auswirkungen in ihren Tätigkeiten, Lieferketten und Geschäftsbeziehungen anzugehen.

Gruppe junger Leute, die bunte Puzzleteile in den Händen hält

Schwerpunkte der Unternehmensnachhaltigkeit

CSR umfasst ein breites Spektrum von Themen, die bei der Unternehmensführung zu berücksichtigen sind (u.a. Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Umwelt, Korruptionsprävention und Verbraucherinteressen).

Industrielle Näherei

Branchenspezifische CSR

In einigen Branchen stellen sich besondere Herausforderungen in Bezug auf die Nachhaltigkeit. Sektorspezifische Instrumente unterstützen gezielt bei einer verantwortungsvollen Unternehmensführung.

Kontakt

Staatssekretariat für Wirtschaft SECO
Direktion für Aussenwirtschaft
Aussenwirtschaftliche Fachdienste / Internationale Investitionen und Unternehmensnachhaltigkeit
Holzikofenweg 36
CH - 3003 Bern