Expositionsbeurteilung
Bei der Verwendung von Chemikalien kommen die beteiligten Personen unweigerlich mit diesen in Kontakt. Mithilfe einer Expositionsbeurteilung kann abgeschätzt werden, wie gross dieser Kontakt ist.

Definition und allgemeine Informationen
Wer mit Chemikalien arbeitet, kann diesen ausgesetzt sein, beispielsweise durch Einatmen, Hautkontakt oder Verschlucken. Eine wiederholte Exposition gegenüber einer hohen Dosis über längere Zeit kann zu gesundheitlichen Problemen führen.
Um das Risiko beurteilen zu können, muss zunächst die Exposition abgeschätzt werden. Diese hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu zählen die Art des Produkts, die Verwendungsweise sowie die vorhandene technische Infrastruktur. Ermittelt werden die folgenden Faktoren:
- Art der Exposition,
- Dauer und Häufigkeit der Exposition,
- Höhe der Exposition.
Für die Expositionsbeurteilung stehen zwei Methoden zur Verfügung: Expositionsmessung und Modellierung. Jeder der beiden Ansätze hat Vor- und Nachteile. Wer beide Methoden gleichzeitig und zielgerichtet einsetzt, erhält die beste Schätzung der Exposition.
Weiterführende Informationen
Expositionsmessung
Bei Expositionsmessungen beschränkt man sich meist auf Luftmessungen, da Hautkontakt und Verschlucken aufwendiger zu messen sind. Bei der Luft-Expositionsmessung messen kalibrierte Geräte die Konzentration von Chemikalien in unmittelbarer Nähe der anwendenden Person, um so die eingeatmete Menge an Chemikalien zu ermitteln.
Solche Messungen werden von Arbeitsplatzhygienikerinnen und -hygienikern durchgeführt oder überwacht. Die Norm SN EN 689 legt fest, wie Messungen durchzuführen und zu bewerten sind, wenn sie die Exposition an einem Arbeitsplatz statistisch gesichert schätzen sollen.
- Vorteile: Präzise, arbeitsplatzspezifische Ergebnisse, welche die tatsächlichen Bedingungen zum Messzeitpunkt widerspiegeln.
- Nachteile: Expositionsmessungen sind kostenintensiv und zeitaufwendig. Die Qualität der Messung hängt vom Fachpersonal und den Messgeräten ab. Für viele Chemikalien existieren keine geeigneten Messmethoden. Eine Messung von heute sagt wenig über die Exposition von morgen aus.
Expositionsberechnung (Modellierung)
Anstatt die Exposition am Arbeitsplatz direkt zu messen, können Expositionsmodelle dabei helfen, sie anhand verschiedener Parameter zu berechnen. Diese Parameter beschreiben beispielsweise die Art der Chemikalie, den Arbeitsplatz, die durchgeführten Tätigkeiten, vorhandene technische Einrichtungen (z. B. Lüftung) sowie die Arbeitsdauer. Das Modell, das auf bestehenden, gut dokumentierten Messungen basiert, berechnet damit eine Expositionsschätzung.
- Vorteile: Kostengünstiger und schneller als Messungen. Eignet sich für systematische Risikobeurteilungen und kann auf alle Chemikalien angewendet werden. Die Ergebnisse sind für verschiedene Situationen am gleichen Arbeitsplatz nutzbar.
- Nachteile: Weniger präzis für den effektiven Ist-Zustand an einem konkreten Arbeitsplatz. Die Qualität hängt vom Modell sowie der korrekten Eingabe der Parameter und Interpretation der Ergebnisse durch das Fachpersonal ab.
Wann passt welche Methode?
- Messung: für Verifikation kritischer Expositionen, bei rechtlichen Anforderungen, für periodische Kontrollen
- Modellierung: für systematische Erstbeurteilung aller Arbeitsplätze, für Vergleich verschiedener Szenarien, wenn Messungen nicht praktikabel sind
- Kombination: für beste Expositionsabschätzung – Modell zur Übersicht, Messung zur Bestätigung wichtiger Annahmen
Informationen für den/die Hersteller/-in (inkl. Importierende)
Herstellerinnen respektive Hersteller müssen die Exposition der Anwendenden für die von ihnen identifizierten Verwendungen abschätzen. Ihre Schätzung fliesst in die Beschreibung der nötigen Schutzmassnahmen ein, welche im Sicherheitsblatt der Chemikalie aufgeführt werden.
Informationen für berufliche Verwender/-innen (Arbeitgebende)
Arbeitgebende, die in ihrem Betrieb gefährliche Chemikalien verwenden und nicht über das erforderliche Fachwissen für die Expositionsbewertung verfügen, müssen gemäss EKAS-Richtlinie 6508 ASA-Spezialistinnen und -Spezialisten beiziehen. In der Regel sind dies Arbeitsplatzhygienikerinnen und -hygieniker. Eine nicht abschliessende Liste dieser Spezialistinnen und Spezialisten ist auf der Website der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeitshygiene SGAH verfügbar.
Weiterführende Informationen
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