Die Strategie legt die mittel- bis langfristige Stossrichtung der schweizerischen Aussenwirtschaftspolitik fest und identifiziert verschiedene Handlungsfelder, die in die unten aufgeführten Schwerpunkte einzuordnen sind. Sie zeigt auf, wie die Aussenwirtschaftspolitik zum Erhalt und zur Steigerung des Wohlstandes in der Schweiz beitragen kann.
Die Aussenwirtschaftspolitik folgt den schweizerischen Interessen, priorisiert den Multilateralismus und gestaltet den Aussenhandel hürdenfrei und geregelt.
Die aussenwirtschaftspolitischen Interessen werden anhand vorzeitigem Einbezug aller interessierten Kreise und unter Einbezug empirischer Analysen festgelegt.
Die Schweiz vertritt ihre aussenwirtschaftspolitischen Interessen im Rahmen der multi-, pluri- sowie bilateralen wirtschaftsvölkerrechtlichen Instrumente in Kombination mit jenen der Wirtschafts- und Handelsdiplomatie. Ebenso nutzt sie autonome Massnahmen.
Die Schweiz sucht themenspezifische Allianzen mit Ländern, die ähnliche Interessen haben («like-minded countries»). So verhandelt die Schweiz beispielsweise den Grossteil ihrer Wirtschaftsabkommen im Rahmen der EFTA (nur in Englisch verfügbar), gemeinsam mit Island, Liechtenstein und Norwegen.
Zur Sicherstellung einer möglichst wirkungsvollen, effizienten, offenen und administrativ einfachen Anwendung der Wirtschaftsabkommen werden diese regelmässig auf die korrekte Umsetzung und Optimierungspotenzial überprüft.
Zur Bewältigung globaler Herausforderungen strebt die Schweiz grundsätzlich internationale, idealerweise multilaterale Lösungsansätze an. Dank der Vertretung in zahlreichen internationalen Organisationen und Allianzen kann sich die Schweiz aktiv einbringen.
Die Schweiz unterstützt transparente und nichtdiskriminierende internationale Regeln, welche in allen Bereichen den Wettbewerb fördern und die Ziele der nachhaltigen Entwicklung verfolgen.
Zur Sicherstellung einer korrekten Anwendung des multilateralen Regelwerks setzt die Schweiz ihre Rechte im Rahmen von Streitschlichtungsverfahren aktiv durch und stärkt diesbezüglich ihr Wissen und ihre Ressourcen.
Gemäss der Strategie für internationale Zusammenarbeit des Bundes setzt sich die Schweiz für eine wirksame Eingliederung von Entwicklungs- und Schwellenländern in die Weltwirtschaft und das internationale Regelsystem ein.
Die Schweiz setzt sich für einen offenen, hürdenfreien und geregelten Handel ein. Das Ziel sind bezüglich Interessen und Konzessionen ausgewogene Verhandlungsresultate.
Die Schweiz zielt auf einen gegenseitigen umfassenden Abbau der Importzölle für Industriegüter, international abgestimmte, zweckmässige und verhältnismässige technische Vorschriften und einen verbesserten Marktzugang für Agrargüter ab.
Sie strebt einen diskriminierungsfreien Zugang zu den Dienstleistungsmärkten, den öffentlichen Beschaffungsmärkten sowie für Investitionen an.
Die Schweiz strebt einen möglichst einfachen Zugang zu qualifizierten Fachkräften und Spezialisten sowie einen hohen Standard zum Schutz des Geistigen Eigentums an.
Geografische Schwerpunkte
Als stark in die Weltwirtschaft integrierte Volkswirtschaft ist für die Schweiz der Zugang zu geografisch diversifizierten Märkten wichtig. Damit wird die Widerstandsfähigkeit in Krisen gestärkt. Gleichzeitig konzentriert sich die Schweiz auf die wichtigsten Wirtschaftspartner und bleibt unabhängig bei der Positionierung im sich wandelnden geopolitischen Umfeld.
Die Schweiz verfolgt weiterhin eine regulatorische Annäherung zum wichtigsten Handelspartner, der EU. Der Erhalt und die Weiterentwicklung des bewährten bilateralen Wegs bleiben dabei die prioritären Ziele.
Es wird laufend geprüft, wie die Handelsbeziehungen und Kooperationen mit weiteren wichtigen Handelspartnern (wie den USA, China oder dem Vereinigten Königreich) ausgebaut und vertieft werden können. Weitere wichtige oder potenzielle Wirtschaftspartner legt die Schweiz auf der Grundlage einer systematischen Analyse fest.
Die Schweiz engagiert sich für eine wirksame Eingliederung von Entwicklungs- und Schwellenländern in die Weltwirtschaft und das internationale Regelsystem und unterstützt sie bei der Nutzung der Chancen der globalen Integration.
Zur Stärkung der Resilienz schafft die Schweiz bestmögliche Rahmenbedingungen, die den Wirtschaftsakteuren eine geographische Diversifizierung erlauben.
Die Schweiz sucht Möglichkeiten zur verstärkten internationalen Zusammenarbeit im Bereich versorgungskritischer Güter. Sie sieht aber von einer staatlich gelenkten Rückführung von Produktionsprozessen ab.
Die Integration in die globalen Märkte verstärkt Interdependenzen im globalen Finanz- und Wirtschaftssystem. Als Beitrag zur Stabilität dieses Systems fördert die Schweiz die Resilienz von Entwicklungs- und Schwellenländern.
Thematische Schwerpunkte
Die thematischen Schwerpunkte Digitalisierung und Nachhaltigkeit leiten sich von den Tendenzen des aussenwirtschaftspolitischen Kontexts ab. Es handelt sich dabei nicht um neue Themen, sondern um Handlungsfelder mit hoher Bedeutung für die Ziele der Aussenwirtschaftspolitik.
Die Schweiz trägt mit ihrer Aussenwirtschaftspolitik zu einer nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz wie auch in Partnerländern bei. Sie fördert eine wirksame Anwendung und Weiterentwicklung von global anerkannten Standards zum Schutz der Umwelt, der Biodiversität, der Menschenrechte sowie der Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
Um bilaterale Wirtschaftsbeziehungen nachhaltig zu gestalten, sieht die Schweiz in ihren Freihandelsabkommen verbindliche Nachhaltigkeitsbestimmungen vor. Die Schweiz fördert die Anwendung der Leitlinien bezüglich verantwortungsvoller Unternehmensführung bei Unternehmen mit Sitz oder Tätigkeit in der Schweiz.
Die Schweiz unterstützt ausgewählte Entwicklungs- und Schwellenländer auf ihrem Weg zur Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele und -verpflichtungen.
Als wichtiger Wirtschafts- und Forschungsstandort setzt sich die Schweiz für die Erarbeitung umfassender internationaler Regeln zum digitalen Handel und für einen möglichst freien globalen Datenverkehr ein.
Die Schweiz bringt ihre Interessen bei der Entwicklung langfristiger, breit abgestützter Lösungen für die digitale Wirtschaft in diversen internationalen Organisationen ein.
Im Rahmen der EFTA (nur in Englisch verfügbar) engagiert sich die Schweiz für die Integration von umfassenden Regeln zum digitalen Handel in Wirtschaftsabkommen. Ein wichtiges Instrument dafür ist das Modell-Kapitel der EFTA zum elektronischen Handel.
Partizipative Aussenwirtschaftspolitik
Die Aussenwirtschaft trägt entscheidend zum Wohlstand der Bevölkerung bei. Die Aussenwirtschaftspolitik kann jedoch aufgrund ihrer Ausrichtung gegen aussen abstrakt und distanziert erscheinen. Deshalb wird ein transparentes und breit abgestütztes Vorgehen angestrebt.
Die Aussenwirtschaftspolitik soll transparent, nachvollziehbar und für die Anliegen der interessierten Kreise zugänglich sein.
Der fortlaufende Dialog mit sowie der Einbezug von interessierten Kreisen erhöht die Transparenz und sichert die Vertretung der gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen.
Der Bund informiert systematisch über neue Regelungen und Abkommen. Zudem sucht er den fortlaufenden Dialog mit den interessierten Kreisen und berichtet regelmässig über den Dialog.
Die Schweiz wägt neue Regulierungen sorgfältig ab und prüft bereits bestehende Ansätze ihrer wichtigsten Wirtschaftspartner. Damit trägt sie sowohl der aussenwirtschaftspolitischen als auch der innenpolitischen Tragweite von Regulierungen Rechnung. Der gesamtwirtschaftliche Nutzen steht dabei stets im Fokus.
Verschiedene Tendenzen haben die Aussenwirtschaftspolitik stärker in das öffentliche Interesse gerückt. Die verfolgten Ziele können sehr unterschiedlich und teilweise auch protektionistisch sein. Dabei kann es zu einem Spannungsfeld kommen, in dem sich die Aussenwirtschaftspolitik bewegt. Eine zentrale Rolle spielt die Regulierungspolitik, insbesondere bei unscharfer Trennlinie zwischen aussenwirtschaftspolitischer und innenpolitischer Tragweite.
Es wird eine sorgfältige Analyse der Optionen, Kosten und Nutzen vollzogen, was im Rahmen einer Regulierungsfolgenabschätzung erfolgen kann.
EFTA (nur in Englisch verfügbar) Die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) ist eine zwischenstaatliche Organisation, der Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz angehören. Sie wurde gegründet, um den freien Handel und die wirtschaftliche Integration zwischen ihren Mitgliedern innerhalb Europas und weltweit zu fördern.
Bundesrat legt zukünftige Stossrichtung der Aussenwirtschaftspolitik fest
24.11.2021
Medienkonferenz, Video zur Medienmitteilung
24.11.2021
Relevante Themen
Ziele und Herausforderungen der Aussenwirtschaftspolitik
Die Aussenwirtschaftspolitik soll den Wohlstand der Schweizer Bevölkerung sichern. Dank internationaler Offenheit profitierte die Schweiz stark von ihrer Einbindung in die Weltwirtschaft.
Berichte zur Aussenwirtschaftspolitik
Der Bericht zur Aussenwirtschaftspolitik gibt eine Übersicht über wichtige Fragen der Schweizer Aussenwirtschaftspolitik und ordnet diese in die Strategie ein.
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