Die Tourismusstrategie des Bundes vom 10. November 2021 bildet die Basis der Tourismuspolitik. Aktuell werden die bestehenden strategischen Grundlagen überarbeitet.
Die Schweizer Tourismuspolitik hat klare Ziele: Rahmenbedingungen verbessern, Unternehmertum fördern, die Chancen der Digitalisierung nutzen, die Attraktivität des Angebots und den Marktauftritt stärken.
Zur Umsetzung dieser Ziele werden 15 Aktivitäten definiert, die thematische Schwerpunkte setzen und bei Bedarf angepasst oder erweitert werden können. Dies gewährleistet die Agilität und Handlungsfähigkeit der Tourismuspolitik. Die Aktivitäten verfolgen einen mittel- bis langfristigen Zeithorizont, sind grundsätzlich unbefristet und umfassen zum Teil auch Daueraufgaben der Tourismuspolitik des Bundes.
Für die Förderperiode 2024–2027 stehen maximal 45 Mio. Franken für Innotour und maximal 233 Mio. Franken für Schweiz Tourismus zur Verfügung. Die NRP stellt maximal 200 Mio. Franken an Darlehen und weitere 200 Mio. Franken an à-fonds-perdu-Beiträgen für Projekte mit regionalwirtschaftlicher Wirkung bereit. Die SGH stützt ihre Tätigkeit auf ein bestehendes Bundesdarlehen von 236 Mio. Franken.
Gute Rahmenbedingungen sind wichtig, damit Schweizer Tourismusunternehmen erfolgreich sind und die Schweiz als Reiseziel attraktiv bleibt. Die Tourismuspolitik des Bundes arbeitet deshalb aktiv daran, diese Bedingungen zu verbessern. Zu den Kernaufgaben zählen die Umsetzung eines strategischen Issue- und Stakeholdermanagements, die Aufbereitung von Wissensgrundlagen in Kombination mit einer proaktiven und zielgruppenorientierten Kommunikation, die Koordination tourismuspolitischer Anliegen, die Kooperation mit den relevanten Akteuren sowie der Beitrag zu einem tourismusfreundlichen Regulierungsumfeld.
In den nächsten Jahren wird das Tourismus Forum Schweiz weiterentwickelt. Die Kommunikation und Zusammenarbeit mit wichtigen Akteuren soll verbessert und deren Vernetzung gestärkt werden. Auch die Einbindung von Tourismusunternehmen wird ausgebaut, und der Austausch mit den relevanten Bundesstellen wird intensiviert.
Das SECO setzt sich im Rahmen der Weiterentwicklung des Bundesrechts laufend für tourismusfreundliche Regulierungen ein. Ein Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung von Massnahmen, die der Bundesrat im Mai 2021 im Bericht zu den Auswirkungen des Zweitwohnungsgesetzes beschlossen hat.
Die Zusammenarbeit mit dem Tourismuskomitee der OECD und mit UN Tourism soll künftig systematisiert und projektbezogen vertieft werden. Ziel ist es, die Interessen der Schweizer Tourismuspolitik koordiniert und verstärkt auf internationaler Ebene einzubringen. Im Zeitraum Herbst 2021 bis Ende 2026 übernimmt die Schweiz den Vorsitz des «Programme and Budget Committee» von UN Tourism.
Die tourismuspolitische Vision des Bundes stellt die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft in den Mittelpunkt. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist unternehmerisches Denken und Handeln auf allen Ebenen. Das Unternehmertum fördern zählt deshalb zu einem der Ziele der Tourismuspolitik des Bundes. Hierfür sind insbesondere folgende Themen relevant:
Rahmenbedingungen für Unternehmen
Kosten- und Produktivitätsthematik
Aus- und Weiterbildungsfragen
Touristischer Arbeitsmarkt
Aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen mit der Förderung des Unternehmertums soll in den kommenden Jahren auf folgende drei Aktivitäten ein Schwerpunkt gelegt werden:
Der Bund unterstützt den Strukturwandel im Tourismus mit verschiedenen Förderinstrumenten, welche die Entstehung wettbewerbsfähiger und grösserer Unternehmenseinheiten begünstigen. Wichtig sind dabei Kooperationen, mit denen sich die Nachteile kleinteiliger Unternehmensstrukturen kompensieren lassen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung von Startups, Neugründungen und Unternehmensnachfolgen, um eine gesunde Unternehmensdemografie im Tourismus zu sichern.
Einen wichtigen Beitrag leisten die Innovationsförderung von Innosuisse und die Coachingangebote der regionalen Innovationssysteme (RIS), die über die Neue Regionalpolitik (NRP) mitfinanziert werden. Das Thema der Nachfolgeregelung soll bei der Beherbergungsförderung über die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) und bei dem vom Bund über die NRP unterstützten Coachingprogramm von HotellerieSuisse eine wichtige Rolle spielen.
Erfolgreiches Unternehmertum im Tourismus braucht strategisches Denken und Handeln – also die Fähigkeit, Chancen zu erkennen und neue Geschäftsfelder zu entwickeln.
Der Bund fördert diese Strategiefähigkeit vor allem durch Coachingangebote im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) und Wissenstransfer-Aktivitäten. Zudem spielen die regionalen Innovationssysteme (RIS) eine wichtige Rolle, die die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der KMU stärken.
Der touristische Arbeitsmarkt war bereits vor der Pandemie angespannt. Die Pandemie hat die Situation weiter verschärft. Das SECO übernimmt eine koordinierende Rolle zwischen allen involvierten Akteuren, fördert die Zusammenarbeit und den Dialog mit Kantonen, Branchenverbänden, dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und nutzt das Tourismus Forum Schweiz (TFS) als Plattform für Diskussionen, wie zum Beispiel zum Fachkräftemangel.
Zudem erstellt das SECO zusammen mit Expertinnen und Experten Analysen und Wissensgrundlagen, welche als Diskussionsgrundlagen dienen, um Lösungsansätze zu entwickeln. Über Innotour und die NRP werden gezielt arbeitsmarktbezogene Projekte gefördert.
Die nachhaltige Entwicklung ist ein zentrales Ziel der Tourismusstrategie des Bundes aus dem Jahr 2021. Die Tourismuspolitik unterstützt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Krisenfestigkeit der Akteure und fördert zugleich Ressourceneffizienz, Umweltverantwortung und gesellschaftliche Verantwortung – etwa durch attraktive Arbeitsplätze und zugängliche Angebote. Sie berücksichtigt damit alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft.
Die Attraktivität der Schweiz als Tourismusstandort beruht wesentlich auf den hohen landschaftlichen und baukulturellen Qualitäten. Vor diesem Hintergrund ist eine Koordination und Kooperation der Tourismuspolitik mit der Landschafts- und Baukulturpolitik sinnvoll. Vertreter von Landschaft, Biodiversität und Baukultur einerseits und der Tourismuswirtschaft andererseits sollen gegenseitig für die jeweiligen Anliegen und Potenziale sensibilisiert werden. Diese Aktivität ist nicht nur in der Tourismusstrategie, sondern auch in der Strategie Baukultur und dem Landschaftskonzept Schweiz verankert.
Die Bundesstellen BAFU, BAK und SECO arbeiten gemeinsam daran, bestehende Gefässe der Zusammenarbeit, Kooperation und Vernetzung auszubauen und bei Bedarf neue zu schaffen. In den letzten Jahren haben BAFU, BAK und SECO ihre Zusammenarbeit weiter gestärkt. So wurde die Bedeutung einer vertieften amtsübergreifenden Zusammenarbeit auch in den strategischen Grundlagen der Politikbereiche Baukultur und Landschaft hervorgehoben. Weiter wurde eine Arbeitsgruppe geschaffen, Grundlagen erarbeitet sowie Workshops durchgeführt.
Der Klimawandel stellt den Tourismusstandort Schweiz vor grosse Herausforderungen, insbesondere im Wintertourismus. Steigende Schneefallgrenzen verkürzen die Wintersaison, erhöhen die Kosten für Beschneiung und gefährden vor allem tiefer gelegene Destinationen. Gleichzeitig entstehen neue Chancen: Wärmere Temperaturen und weniger Regentage stärken den Sommer- und Herbsttourismus. Outdoor-Angebote gewinnen an Bedeutung, der Bergsommer positioniert sich als Alternative zu Mittelmeerdestinationen, und Seeregionen gewinnen an Attraktivität.
Eine strategische Neuausrichtung auf schneeunabhängige Angebote – wie sie etwa die Wiriehornbahnen mit Unterstützung der NRP umsetzen – reduziert die Abhängigkeit vom klassischen Skitourismus und sichert die langfristige Wirtschaftlichkeit. Der Aktionsplan 2020–2025 zur Anpassung an den Klimawandel des Bundes fördert gezielt Angebotsentwicklung, Diversifikation sowie den Ausbau des Sommer-, Herbst- und Ganzjahrestourismus.
Zentral sind zudem eine enge Koordination mit dem Bundesamt für Sport, der Wissenstransfer sowie fundierte Grundlagen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Ski- und Schneesportgebiete, die gemeinsam von Bund und Kantonen erarbeitet werden.
Mit der Nachhaltigkeitsinitiative «Swisstainable» fördert Schweiz Tourismus gemeinsam mit der Branche eine nachhaltige Tourismus- und Produktentwicklung und positioniert die Schweiz als führende nachhaltige Reisedestination. Ziel ist es, bestehende Nachhaltigkeitsleistungen sichtbar zu machen und Betriebe auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen.
Das Label «Swisstainable» basiert auf bestehenden Zertifizierungen und Programmen und bietet Gästen eine klare Orientierung. Alle touristischen Betriebe und Organisationen können teilnehmen und werden je nach Engagement in drei Stufen eingeteilt:
Level I – committed
Level II – engaged
Level III – leading
Derzeit nehmen über 2'300 Betriebe am Programm teil.
Ab 2022 ist das Swisstainable-Programm beim Schweizer Tourismus-Verband (STV) im Rahmen des nationalen Kompetenzzentrums Nachhaltigkeit (KONA) angesiedelt. Im Jahr 2023 wurde das Swisstainable-Programm auf Destinationsebene erweitert. Mit einer Teilnahme bei Swisstainable Destination trägt eine Tourismusdestination massgeblich zur nachhaltigen Entwicklung des Schweizer Tourismus bei und kann sich als verantwortungsvolle Destination positionieren. Bisher konnten bereits 17 Destinationen eingestuft werden.
Die Umsetzung und Weiterentwicklung der Initiative wird vom SECO über die tourismuspolitischen Förderinstrumente unterstützt.
Das Konsumverhalten im Tourismus hat sich in den letzten Jahren stark verändert, zusätzlich beschleunigt durch die Covid-19-Pandemie. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Chancen für Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle.
Da der Schweizer Tourismus stark kleinstrukturiert ist, fällt es vielen Unternehmen und Destinationen schwer, mit dem technologischen Wandel Schritt zu halten. Neben einzelbetrieblichen Innovationen sind deshalb auch regionale und nationale Kooperationen wichtig.
Die Hauptverantwortung für die digitale Transformation liegt bei den Tourismusunternehmen. Der Bund unterstützt sie jedoch mit gezielten Aktivitäten, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen.
Die Tourismuspolitik des Bundes legt weiterhin einen Schwerpunkt auf Digitalisierung – sowohl bei der Förderung von Projekten als auch beim Wissenstransfer. Die Unterstützung über Innotour und die NRP wird dabei angepasst, um gezielt zukunftsorientierte und kooperative Projekte zu fördern.
Gefördert werden vor allem übertragbare, offene Lösungen, die Kooperation ermöglichen. Gleichzeitig soll das Know-how der Nutzer gestärkt, und der regelmässige Zugang zu aktuellem Wissen über digitale Lösungen und deren strategisches Potenzial verbessert werden.
In den kommenden Jahren liegt der Fokus auf der Schaffung von Mehrwert von touristischen Daten und Statistiken. Öffentliche Daten sollen schnell und einfach nutzbar sein, besonders die Beherbergungsstatistik (HESTA/PASTA) und das Tourismus-Satellitenkonto (TSA).
Wichtig sind auch Open-Data-Angebote von Schweiz Tourismus, die Partnern den Zugang erleichtern, sowie die Swiss Tourism Data Alliance (STDA), die den Austausch zwischen touristischen Organisationen fördert und die Koordination und Interoperabilität der Daten verbessert.
Die Digitalisierung im Tourismus bleibt komplex, mit strategisch wichtigen Themen wie Daten, neue Technologien (z. B. Blockchain, Augmented/Virtual Reality) und künstliche Intelligenz. Es ist wichtig, diese Entwicklungen zu beobachten und einzuordnen, damit sie in der Tourismuspolitik und -förderung berücksichtigt werden.
Ein Monitoring soll relevante Informationen für Bund und Akteure liefern, und durch offene Prozesse und Dialoge wird ein laufender Austausch mit der Tourismuswirtschaft sichergestellt.
Attraktive Angebote und ein starker Marktauftritt sind entscheidend für den Erfolg des Schweizer Tourismus. Sie sorgen für erlebnisreiche Ferien, erfolgreiche Geschäftsreisen und sichern die touristische Nachfrage.
Die Tourismusförderung des Bundes hat deshalb die Stärkung von Angebot und Marktauftritt als Priorität. Während die SGH, Innotour und die NRP primär zur Stärkung der Attraktivität des Angebots beitragen, ist der Marktauftritt Aufgabe von Schweiz Tourismus.
Die touristischen Infrastrukturen spielen eine zentrale Rolle in der Erschliessung, Anpassung und Umsetzung von rentablen und zukunftsfähigen Geschäftsfeldern. Die Finanzierung touristischer Infrastrukturen stellt in Feriengebieten und Randregionen jedoch eine Herausforderung dar. Aus diesem Grund unterstützt der Bund Investitionen in den Tourismus. Die Investitionsförderung des Bundes soll weiterentwickelt und weiter optimiert werden. Dazu wird bei der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) eine Revision der gesetzlichen Grundlagen vorgenommen.
Die Neue Regionalpolitik (NRP) fördert wertschöpfungsorientierte Infrastrukturen von Tourismusdestinationen. Diese ermöglichen es Destinationen, sich zu entwickeln, oder ergänzen das bestehende Angebot als Teil der touristischen Wertschöpfungskette substanziell. Die einzelnen Vorhaben müssen innovativ und wertschöpfungsorientiert sein, aber auch abgestimmt mit den Vorgaben für eine nachhaltige Entwicklung. Weitere Informationen zum NRP-Förderschwerpunkt finden Sie hier:
Ziel der Aktivität ist es, den Gästen mittels gezielter Angebotsentwicklung den Aufenthalt in der Schweiz und die Erlebnisse möglichst einfach zugänglich und erlebbar zu machen. Des Weiteren sollen die zeitliche und räumliche Tourismusnachfrage diversifiziert und idealerweise auch die Aufenthaltsdauer der Gäste verlängert werden – immer mit dem Ziel, die Convenience und damit die Qualität für die Gäste zu steigern.
Die Schweizer Städte sollen noch stärker als bisher als Freizeitstädte positioniert und die Innenstädte sollen nach Möglichkeit weiter belebt werden. Hierbei spielt auch der Kulturtourismus eine wichtige Rolle. Im Geschäftstourismus gilt es, neue Marktsegmente zu erschliessen, z.B. Veranstaltungen, welche aufgrund der Covid-19-Pandemie redimensioniert wurden und für welche die Kapazitäten in der Schweiz somit künftig nicht mehr zu klein sein werden.