Das SECO erstellt die vierteljährliche Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) der Schweiz, das Bundesamt für Statistik die jährliche VGR. Etwa 45 Tage nach Quartalsende veröffentlicht das SECO eine Schnellschätzung des BIP-Wachstums, rund 60 Tage danach die detaillierten Ergebnisse nach Produktions-, Verwendungs- und Einkommensansatz. Mit den Zahlen zum 4. Quartal publiziert das SECO zugleich die ersten Jahreswerte der VGR.
Die vierteljährliche VGR der Schweiz wird nach internationalen Standards mittels zeitlicher Disaggregation («indirekter Ansatz») erstellt. Dafür verarbeitet das SECO eine breite Palette von Wirtschaftsindikatoren, die monatlich oder quartalsweise verfügbar sind. Die Konsistenz mit den jährlichen VGR-Daten ist sichergestellt.
Grosse internationale Sportanlässe führen zu einem vorhersehbaren Zyklus in den Schweizer BIP-Daten: In geraden Kalenderjahren erhöhen diese Events das BIP erheblich. Für die Konjunkturanalyse stellt das SECO deshalb zusätzlich «Sportevent‑bereinigte» sowie «Sport‑, saison‑ und kalender‑bereinigte» VGR‑Daten bereit. In diesen Zeitreihen werden die Effekte der Sportevents geglättet.
Die vierteljährliche VGR der Schweiz wird mit verschiedenen Routinen in der Statistiksoftware R berechnet. Zu den Kernroutinen gehören das Paket tempdisagg zur zeitlichen Disaggregation von Zeitreihen sowie das Paket seasonal, das eine Schnittstelle zu X13‑ARIMA‑SEATS bereitstellt.
Revisionen der VGR-Daten sind in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Grunddaten, die in die Berechnungen einfliessen, ihrerseits revidiert oder aktualisiert wurden. Umfangreiche Revisionen können insbesondere dann auftreten, wenn die internationalen Standards für die Berechnungssystematik angepasst werden. Die Revisionspolitik der Schweizer VGR orientiert sich an den internationalen Vorgaben. Das SECO stellt «Real Time Daten», d.h. ein Datenset mit den jeweils veröffentlichten historischen Zeitreihen, zur Verfügung. Datenrevisionen können so einfach nachvollzogen werden.
Mit dem Beitritt zur Charta der öffentlichen Statistik dokumentiert das SECO formell sein Bekenntnis zu höchsten Qualitätsstandards bei der Statistikproduktion. Die vierteljährliche VGR wurde in den vergangenen Jahren mehreren unabhängigen Evaluationen unterzogen.
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist der zentrale Indikator, um die wirtschaftliche Grösse und Entwicklung eines Landes zu ermitteln und dient als Grundlage für wirtschafts- und fiskalpolitische Entscheidungen. Es misst die Wirtschaftsleistung eines Landes oder eines Wirtschaftsraums in einem bestimmten Zeitraum (oft ein Quartal oder ein Jahr). Es erfasst den Geldwert der Güter und Dienstleistungen, die produziert werden, abzüglich der dafür verwendeten Vorleistungen. Die Berechnung ist international standardisiert und ermöglicht so den Vergleich zwischen Ländern und Regionen sowie über die Zeit.
Das Bundesamt für Statistik berechnet das jährliche BIP der Schweiz. Die Resultate für das Vorjahr werden jeweils gegen Ende August publiziert.
Das SECO berechnet das vierteljährliche BIP der Schweiz. Eine erste Schnellschätzung der Sportevent-bereinigten realen BIP-Wachstumsrate «Flash-BIP» wird ca. 45 Tage nach Ende des Quartals veröffentlicht. Die ausführlichen Resultate zur Produktions-, Verwendungs- und Einkommensseite folgen ca. 60 Tage nach Ende eines Quartals. Basierend auf den Quartalsergebnissen publiziert das SECO Ende Februar auch provisorische Ergebnisse zum BIP im gesamten Vorjahr.
Das BIP lässt sich aus drei Perspektiven bzw. mit drei Ansätzen berechnen, die alle dasselbe Resultat liefern müssen:
Die Produktionsseite (Entstehungsansatz) gibt Auskunft darüber, in welchen Wirtschaftsbranchen Wertschöpfung entsteht. Das BIP berechnet sich als Summe der Wertschöpfung in den einzelnen Branchen.
Die Verwendungsseite (Ausgabenansatz) ermittelt das BIP als Summe aller Ausgaben für Endprodukte und Dienstleistungen: BIP = Konsum + Bruttoinvestitionen + Exporte – Importe. Die Importe werden abgezogen, da sie im Ausland produziert werden.
Die Einkommensseite (Verteilungsansatz) zeigt, wie sich das BIP auf verschiedene Einkommensströme verteilt. Dazu zählen u. a. die Arbeitnehmerentgelte und die Vermögenseinkommen.
Das vierteljährliche BIP der Schweiz wird produktionsseitig berechnet. Das bedeutet: Die Summe der Wertschöpfung in den einzelnen Branchen ergibt das BIP. Differenzen zwischen dem BIP und der Summe der Komponenten werden auf der Verwendungsseite den «Vorratsveränderungen inkl. statistischer Abweichung» zugeordnet und auf der Einkommensseite dem «Nettobetriebsüberschuss».
Zahlreiche Wirtschaftsdaten unterliegen regelmässigen Schwankungen im Jahresverlauf. Beispielsweise steigen die Umsätze im Detailhandel vor Weihnachten, und danach sinken sie wieder; im Sommer wird aufgrund der Wetterbedingungen typischerweise mehr gebaut als im Winter.
Die Kalender- und Saisonbereinigung ist ein statistisches Verfahren, um saisonale Muster und die Auswirkungen von Kalenderschwankungen (z. B. die Anzahl der Arbeitstage innerhalb eines Jahres) aus den Wirtschaftsdaten rauszurechnen. So zeigt sich ein klareres Bild der zugrundeliegenden konjunkturellen Entwicklungen, und Vergleiche zwischen verschiedenen Zeiträumen werden einfacher.
Für die Konjunkturanalyse wird typischerweise das kalender- und saisonbereinigte BIP verwendet. Für die Analyse der Schweizer Konjunktur empfiehlt es sich, das Sportevent-, kalender- und saisonbereinigte BIP zu verwenden.
Ja, in der Schweiz wird das BIP gemäss den internationalen Standards berechnet. Seit 1997 beruht die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) der Schweiz auf dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, das mit dem «System of National Accounts» der UNO kompatibel ist. Das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft (heute EU) über die Zusammenarbeit im Bereich der Statistik ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten. Entsprechend werden die Ergebnisse für das BIP der Schweiz auch an das europäische Statistikamt Eurostat geliefert.
Zusätzlich veröffentlicht das SECO auch konjunkturell besser interpretierbare «Sportevent-bereinigte» BIP-Daten. Darin wird der Effekt grosser internationaler Sportveranstaltungen auf das BIP der Schweiz «ausgeblendet».
Mehrere bedeutende internationale Sportverbände haben ihren Sitz in der Schweiz. Deswegen zählt die von ihnen erwirtschaftete Wertschöpfung gemäss internationalen Standards zum BIP der Schweiz.
Die grossen internationalen Sportanlässe (z. B. Olympische Spiele) finden typischerweise in geraden Kalenderjahren statt. Dies führt einem regelmässigen, vorhersehbaren Zyklus in den BIP-Daten der Schweiz: In geraden Kalenderjahren erhöhen die Sportanlässe das BIP; in ungeraden Kalenderjahren entwickelt sich das BIP schwächer. Ähnlich wie der Effekt von Schaltjahren hat dieser regelmässige, jahresübergreifende Zyklus nur einen begrenzten Informationsgehalt bezüglich der aktuellen Wirtschaftslage in der Schweiz.
Um die konjunkturelle Analyse zu erleichtern, berechnet das SECO seit 2018 zusätzliche BIP-Daten, welche um die Effekte internationaler Sportgrossanlässe bereinigt sind.
Historisch schwankt das BIP mit der Anzahl Arbeitstage innerhalb eines Jahres. Auf der Basis der Daten von 1980 bis 2021 ergibt eine Regressionsschätzung, dass ein zusätzlicher Arbeitstag das reale BIP eines Jahres um rund 0,04 % erhöht. Diese Schätzung bezieht sich auf den Effekt von Schaltjahren sowie von existierenden Feiertagen, die fallweise auf unterschiedliche Wochentage fallen, und nicht auf die permanente Veränderung der Arbeitstage bzw. der Anzahl Arbeitsstunden innerhalb eines Jahres.
Revisionen im BIP und dessen Komponenten sind in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Grunddaten für die Berechnungen ihrerseits revidiert oder aktualisiert wurden. Revisionen finden auch statt, wenn neue Datenquellen in die Berechnungen integriert werden oder methodische Änderungen eingeführt werden. Weitreichende Revisionen sind insbesondere dann möglich, wenn neue internationale Standards für die Berechnungen umgesetzt werden. Die Revisionspolitik für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Schweiz legt fest, wie und wann Revisionen an den zuvor veröffentlichten Daten vorgenommen werden.
In den Quartalsdaten der VGR finden jedes Quartal Revisionen statt. Das SECO aktualisiert dann die Daten für jene Quartale, für die zum Berechnungszeitpunkt noch keine Jahresdaten des Bundesamtes für Statistik (BFS) vorliegen. Beispielsweise wurden im November 2023 die Daten für das erste und für das zweite Quartal 2023 revidiert. Ausserdem wird die Saison- und Kalenderbereinigung der Daten ab 1995 jedes Quartal aktualisiert.
Mit der Datenpublikation Anfang September integriert das SECO die dann vorliegenden, neuen Jahresdaten des BFS. Beispielsweise wurden im September 2024 neu berechneten respektive aktualisierte Jahresdaten für 2021 bis 2023 integriert, was sich auf die Quartalsdaten dieser Zeitperiode auswirkt. Anlässlich dieser sogenannten «Jahresrevisionen» überprüft das SECO jeweils auch seine Berechnungsmodelle.
Darüberhinausgehende, umfangreiche Revisionen der jährlichen und vierteljährlichen VGR finden typischerweise zwei Mal pro Jahrzehnt statt. Dann werden neue internationale Standards oder neue Methoden eingeführt. Typischerweise führt das zu Datenrevisionen in den gesamten Zeitreihen.
Das SECO veröffentlicht jedes Jahr eine Analyse der Datenrevisionen im Vorjahr. Zusätzlich stellt es den Datennutzenden «Real Time Daten» zur Verfügung, d.h. ein Datenset mit den Zeitreihen, wie sie zu verschiedenen Zeitpunkten publiziert wurden. Datenrevisionen können so einfach nachvollzogen werden.
Das BIP und das BIP pro Kopf sind kein allumfassendes Mass für das Wohlergehen der Bevölkerung. Das BIP wurde für die Messung der Wirtschaftsleistung konzipiert und kann keine Fragen zur Verteilung des Wohlstands innerhalb eines Landes, Fragen der Gerechtigkeit oder der Nachhaltigkeit u. v. m. beantworten (vgl. Indergand R., Kemeny F. (2021): Was kann das BIP – was nicht?).
Zur Messung verschiedener Aspekte des Wohlergehens und des sozialen Fortschrittes stehen andere Indikatoren zur Verfügung. Einige Beispiele sind: