Evaluation des Projekts SuisseID 2009 - 2015

Im Rahmen der konjunkturellen Stabilisierungsmassnahmen wurde 2009 eine befristete Finanzhilfe im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) beschlossen. Ziel der Massnahme war es, IKT-Standortvorteile für die Schweiz zu erzeugen. Bundesrat und Parlament orteten damals Handlungsbedarf bei fundamentalen Komponenten, die für einen modernen Wirtschaftsstandort unverzichtbar sind. Dazu zählte die Weiterentwicklung der digitalen Signatur hin zur SuisseID als Standard zur sicheren Authentisierung und Unterschrift im elektronischen Geschäftsverkehr.

Mit der Umsetzung des SuisseID-Projekts wurde das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO beauftragt. Das Vorhaben ist inzwischen abgeschlossen und das SECO beauftragte das Institut für Wirtschaftsstudien Basel (IWSB) mit dessen unabhängigen Evaluation. Die Zielsetzung der Evaluation liegt im Gewinn neuer Erkenntnisse über die im Laufe des Projekts 2009-2015 getroffenen Entscheidungen und Massnahmen. Die Evaluation soll für künftige Projekte mit einer ähnlichen Ausgangslage Hinweise über Stärken und Schwächen des gewählten Vorgehens geben.

Die Evaluation des IWSB ist in drei Teile gegliedert:

  • Vollzugsanalyse
  • Wirkungsanalyse
  • Lösungsansätze

Mittels einer Vollzugs- und Wirkungsanalyse werden die unterschiedlichen Ziele und Massnahmen sowie Ergebnisse des SuisseID-Projekts beurteilt und daraus hervorgehend Lösungsansätze bzw. Empfehlungen abgeleitet. Die wichtigsten Erkenntnisse werden nachfolgend kurz zusammengefasst.

Vollzugsanalyse: Die operativen und technischen Ziele konnten grösstenteils erreicht werden. Unter Einhaltung des Budgets und des engen Zeitrahmens wurden alle technischen Spezifikationen realisiert und das Produkt auf dem Markt platziert. Mit den Unternehmen SwissSign AG, QuoVadis Trustlink Schweiz AG und Swisscom AG haben drei Anbieter eine SuisseID erarbeitet, während das BIT für die Bedürfnisse der Verwaltung zuständig war. Die Arbeitsteilung erlaubte es, die Technologie zu fördern, ohne dass der Bund ein unternehmerisches Risiko eingehen musste. Die Lancierung und Förderung der SuisseID durch den Bund war von Beginn weg als zeitlich begrenzte Massnahme ausgelegt. Seit 2011 leitet der Verein „Trägerschaft SuisseID" die Geschäfte der SuisseID. Dieses Vorgehen bewahrte den Bund vor einem Dauerengagement. Ein Teilziel wurde aber nicht erreicht: Das Teilziel von 300‘000 Personen, die Ende 2010 über eine SuisseID verfügen sollten, konnte nicht erreicht werden. Stattdessen verfügten Ende 2010 rund 190‘000 Personen über eine SuisseID. Die übrigen subventionierten SuisseIDs konnten erst später in Umlauf gebracht werden.

Wirkungsanalyse: Unabhängig von den weitgehend erreichten Projektzielen konnte sich die SuisseID bis heute nicht etablieren. Einerseits entsprechen die Nutzerzahlen nicht den Erwartungen, andererseits gibt es nicht genügend Anwendungen. Die Hauptursache liegt in der ungelösten Problematik eines zweiseitigen Marktes. Auf der einen Seite sind die Inhaber einer SuisseID und auf der anderen Seite die Anwendungsanbieter für SuisseID-Login oder elektronische Signatur. Die SuisseID-Herausgeber agieren als Intermediäre und haben die Aufgabe, die beiden Seiten des Marktes zusammenzubringen. Hinzu kommen weitere Faktoren, welche die Verbreitung hemmen. Dazu zählen die wegen regulatorischen Anforderungen umständliche Antragsprüfung, die Kosten, die periodische Erneuerung oder der Föderalismus.

Auch wenn sich die SuisseID bislang nicht am Markt durchsetzen konnte, hat sie die Branche für elektronische Signaturen und Identitäten beeinflusst. Schweizweit haben sich weit über hundert Softwarefirmen und öffentliche Verwaltungen mit der SuisseID-Lösung befasst. Entsprechend hat die SuisseID das Wissen über zertifikatsbasierte Authentisierung und elektronische Signaturen deutlich erhöht. Dieses Wissen ist für die weitere Entwicklung des elektronischen Geschäftsverkehrs notwendig und nützlich.

Lösungsansätze: Diese richten sich teils an den Bund, teils an die Privatwirtschaft:

  • Bund: Der verbindliche Einsatz der SuisseID bei E-Government-Angeboten sowie innerhalb der Bundesverwaltung (z. B. für die digitale Signatur) wäre von hoher Bedeutung für die Steigerung der Nutzerzahlen gewesen. Der Bund subventionierte zwar die SuisseID, setzte sie selber jedoch kaum ein. Ein konsequentes Angebot des Zugangs durch die SuisseID bei E-Government-Lösungen sowie der Einsatz der digitalen Signatur könnte deren Nutzung vorantreiben.
  • Privatwirtschaft: Abhilfe verspricht eine Differenzierung nach Funktionalität und eine Preispolitik, die dafür sorgt, dass die Kosten dort verrechnet werden, wo der grösste Nutzen anfällt. Die Marktstrategie sollte gemäss IWSB darauf abzielen, möglichst rasch eine Basis von intensiven Nutzern aufzubauen. Die SuisseID bleibt ein Produkt von marktorientierten Anbietern.

Die in der Evaluation vom IWSB vorgebrachten Lösungsansätze wurden vom Trägerverein SuisseID bereits erkannt. Mit einer Medienmitteilung informierte dieser am 4. Oktober 2016 über die Pläne für eine neue Version der SuisseID (siehe "Weitere Informationen").

Weitere Informationen

Medienmitteilung des Trägervereins SuisseID vom 4. Oktober 2016

Am 4. Oktober 2016 informierte der Trägerverein SuisseID die Öffentlichkeit über die neue SuisseID, welche 2017 auf den Markt gebracht wird: „Im Vergleich zur heutigen SuisseID sind wesentliche Änderungen vorgesehen. Die neue SuisseID wird einfacher, mobiler und nutzerfreundlicher. Sie kommt ganz ohne Installation und USB-Stick aus und ist modular aufgebaut. So bezieht der Anwender nur das, was er effektiv benötigt. Eine erfreuliche Änderung aus Anwendersicht ist das neue Business-Modell: Die neue SuisseID wird für die Anwender künftig kostenlos sein. Onlinedienstanbietern, Unternehmen und Verwaltungen wird neu der Bezug der SuisseID-Dienstleistungen über Pay-per-Use-Ansätze oder pauschal verrechnet. Für die künftige SuisseID zahlen also diejenigen, welche durch die Digitalisierung mit der SuisseID auch hohe Kosten einsparen.“

Letzte Änderung 12.12.2016

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