Bundesrat verabschiedet Bericht und Massnahmen zu Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt

Bern, 08.11.2017 -  Der Bundesrat hat am 8. November 2017 den Bericht zu Auswirkungen des digitalen Wandels auf den Arbeitsmarkt verabschiedet. Auch im digitalen Zeitalter bleibt für den Bundesrat als übergeordnetes Ziel die Sicherung der hohen Erwerbsbeteiligung und guten Job-Qualität. Fazit des Berichtes: Der Arbeitsmarkt befindet sich in einer sehr guten Ausgangslage und wird durch eine gezielte Verbesserung der Rahmenbedingungen von der Digitalisierung profitieren. Massnahmen sind unter anderem im Bildungsbereich nötig. Zudem wird eine Flexibilisierung der Sozialversicherungen geprüft.

Nach dem Bericht von Anfang Jahr zu den „Rahmenbedingungen der digitalen Wirtschaft“ und dem Bericht mit Aktionsplan „Digitalisierung im BFI-Bereich“ von Anfang Juli verabschiedete der Bundesrat am 8. November 2017 den Bericht „Auswirkungen der Digitalisierung auf Beschäftigung und Arbeitsbedingungen – Chancen und Risiken“. Damit erfüllt er auch die Postulate Reynard und Derder. Im Bericht wird aufgezeigt, dass der digitale Wandel in erster Linie Chancen bietet, gleichzeitig aber auch Herausforderungen mit sich bringt.    

Erfolgreiche Bewältigung des Strukturwandels

Die Digitalisierung ist einer der zentralen Treiber des aktuellen tiefgreifenden Strukturwandels. Trotz Entwicklung von Technologien mit erhöhtem Automatisierungspotenzial wurden in den vergangenen zwanzig Jahren netto 860‘000 Stellen geschaffen. Im internationalen Vergleich fällt die Schweiz mit einer hohen Arbeitsmarktbeteiligung und einer tiefen Erwerbslosigkeit auf. Ausserdem ist die Qualität der Jobs hoch. Die Digitalisierung hat die Kompetenzanforderungen bereits in vielen Berufen und Arbeitsbereichen verändert. Die Erwerbstätigen begegnen dieser Entwicklung mit einer stetigen Höherqualifizierung. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung befürchtete Entwicklungen wie eine Lohnpolarisierung, steigende Ungleichheit oder eine Erosion der Arbeitseinkommen sind in der Schweiz demgegenüber nicht zu beobachten.

Die zentralen Erfolgsfaktoren, die zur Bewältigung des Strukturwandels beigetragen haben, liegen v. a. in einem attraktiven Wirtschaftsstandort Schweiz mit guten Rahmenbedingungen.
Auf Basis des aktuellen Wissens ist davon auszugehen, dass die Digitalisierung zu neuen Beschäftigungsmöglichkeiten und einem weiteren Beschäftigungsanstieg führen wird. Da es sich um einen laufenden Prozess handelt, sind die Auswirkungen der Digitalisierung nicht abschliessend bekannt. Deshalb ist es wichtig, die Risiken im Blick zu halten und bei Bedarf gezielt anzugehen.

Der Bundesrat will die Voraussetzungen weiter verbessern, damit die Schweiz die Chancen der Digitalisierung für die Beschäftigung nutzen kann. Dabei stehen zwei Ziele im Fokus: Erstens soll die Bildung noch stärker auf die in der digitalen Wirtschaft benötigten Kompetenzen und Kenntnisse ausgerichtet werden. Zweitens muss der Schweizer Arbeitsmarkt weiterhin die für die Nutzung der digitalen Transformation notwendige Flexibilität aufweisen. Gleichzeitig muss die Absicherung sozialer Risiken gewährleistet bleiben.

Zu Erreichung dieser Ziele hat der Bundesrat folgende Massnahmen beschlossen:

·       Weiterentwicklung Sozialversicherungsrecht: Die Schweiz kombiniert wie kaum ein anderes Land einen flexiblen Arbeitsmarkt mit einem engmaschigen sozialen Schutz. Dank neuen Arbeitsformen eröffnen sich neue Entwicklungsperspektiven für den Standort Schweiz, die zu nutzen sind. Vor diesem Kontext stellt sich die Frage, inwiefern die heutigen sozialversicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen neue Arbeitsmodelle zulassen. Der Bundesrat  hat deshalb das EDI beauftragt, in Zusammenarbeit mit dem WBF, dem EJPD und dem EFD bis Ende 2019 die Notwendigkeit von Flexibilisierungen im Bereich der Sozialversicherungen zu prüfen und entsprechende Optionen aufzuzeigen. 

·       Weiterentwicklung der Bildung: Zentral ist, die Ausbildung an die veränderten Anforderungen anzupassen. Dazu gehört aber auch das lebenslange Lernen und Weiterbildung. In diesem Zusammenhang hat der Bundesrat am 8. November 2017 einen neuen Förderschwerpunkt des WBF für die Stärkung von Grundkompetenzen am Arbeitsplatz beschlossen (vgl. separate Medienmitteilung).

·       Bestehende Datenlücken: Angesichts der verschiedenen Ungewissheiten im Zusammenhang mit der Digitalisierung sollen bestehende Datenlücken in zwei Bereichen geschlossen werden: Erstens soll das BFS in Zusammenarbeit mit dem SECO per 2019 ein Zusatzmodul zu den neuen Arbeitsformen in die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung SAKE aufnehmen, und zweitens wird die Schweiz unter der Leitung des SBFI die Teilnahme an der OECD-Erhebung über die Kompetenzen von Erwachsenen ab 2020 prüfen.

·       Monitoring: SECO und das BSV werden beauftragt, zusammen ein Monitoring der Auswirkungen des digitalen Wandels auf den Arbeitsmarkt durchzuführen und dem Bundesrat dazu bis Ende 2021 Bericht zu erstatten. Die Resultate des Monitoring sollen alle fünf Jahre in einem Bericht zusammengefasst werden und eine Gesamtschau ermöglichen.


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Letzte Änderung 28.12.2016

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