Konjunkturaufhellung erst im Jahr 2021 erwartet

Bern, 12.12.2019 - Konjunkturprognose der Expertengruppe des Bundes; Winter 2019/2020 - Die Expertengruppe hält an ihrer bisherigen Einschätzung fest, dass sich die Schweizer Konjunktur 2020 nur moderat entwickelt. Mit einer allmählichen konjunkturellen Belebung ist erst für 2021 zu rechnen.

Nach 0,9 % für das Jahr 2019 erwartet die Expertengruppe für 2020 ein BIP-Wachstum von 1,7 % und für 2021 eines von 1,2 %. Sowohl die Beschleunigung des BIP-Wachstums 2020 als auch die Verlangsamung 2021 gehen aber auf den Effekt grosser Sportveranstaltungen zurück, der wenig konjunkturelle Relevanz hat.* Die konjunkturelle Grunddynamik dürfte 2020 ähnlich ausfallen wie im laufenden Jahr, bevor sie 2021 moderat anzieht.

Das internationale Umfeld bleibt ungünstig; insbesondere ist für den Euroraum und für den wichtigen Handelspartner Deutschland von einem weiterhin schwachen Wachstum auszugehen. Zwar sind gewisse Bereiche der Schweizer Industrie, namentlich die Chemie-Pharma, zurzeit wenig gegenüber der Auslandkonjunktur exponiert. Die konjunktursensitiven Exportbranchen, wie die Metall- und Maschinenindustrie, leiden aber unter dem schleppenden inter-nationalen Wachstum. In der Summe prognostiziert die Expertengruppe wie bisher, dass sich die Warenexporte 2020 deutlich schwächer als in den vier vorangegangenen Jahren entwickeln.

Damit einhergehend wird die Auslastung der industriellen Produktionskapazitäten zunächst tief bleiben. Die Unternehmen dürften in der Folge nur zögerlich in Ausrüstungen investieren, obwohl die Finanzierungsbedingungen günstig bleiben. Auch für die Bauinvestitionen prognostiziert die Expertengruppe eine verhaltene Entwicklung: Die steigenden Leerwohnungsbestände und das bis zuletzt eher schwache Bevölkerungswachstum wirken sich dämpfend auf den Bausektor aus.

Demgegenüber erwartet die Expertengruppe, dass das Konsumwachstum 2020 etwas anzieht, gestützt durch die gute Lage am Arbeitsmarkt. In den vergangenen Monaten hat sich die Arbeitslosigkeit etwas günstiger entwickelt als hätte erwartet werden können; die Expertengruppe prognostiziert für 2020 eine Arbeitslosenquote von 2,4 % (Prognose von September: 2,5 %). Für die Beschäftigung wird unverändert ein solides Wachstum erwartet. Daneben stützt die tiefe Teuerung die Kaufkraft der Haushalte. Auch gebremst durch die zurückgegangenen Erdölpreise, dürfte die Teuerung 2020 deutlich niedriger zu liegen kommen.

Im Jahr 2021 sollte sich die Schweizer Konjunktur allmählich aufhellen, und die Wirtschaft dürfte in etwa entsprechend ihrem Potenzial wachsen. Im Zuge eines leicht anziehenden weltwirtschaftlichen Wachstums ist für 2021 mit einer gewissen Belebung des Welthandels zu rechnen, wovon auch die Schweizer Exporte profitieren. Damit erholen sich auch die Investitionen in Ausrüstungen. Derweil wirkt sich die konjunkturelle Abschwächung der zwei Vorjahre mit Verzögerung auf den Arbeitsmarkt aus: Die Arbeitslosenquote sollte auf 2,6 % ansteigen.

Konjunkturrisiken
Die konjunkturellen Abwärtsrisiken überwiegen weiterhin gegenüber den Aufwärtspotenzialen, einige davon haben sich zumindest kurzfristig aber etwas entschärft. So verhandeln die USA und China immerhin über eine Teillösung des seit über einem Jahr andauernden Handelskonflikts; gleichzeitig ist durch die vorläufige Einigung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich die Wahrscheinlichkeit eines ungeordneten Brexit zurückgegangen.

Sowohl im Bereich der internationalen Handelspolitik als auch beim Verhältnis zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ist eine erneute Zuspitzung aber nicht ausgeschlossen. Die Schweizer Konjunktur wäre im Prognosehorizont insbesondere dann negativ betroffen, falls die USA im kommenden Jahr weitere europäische Güter mit Strafzöllen belegen sollten und falls im Zuge eines ungeordneten Brexit das Wachstum in der EU stark abgebremst würde.

Unverändert gegenüber der letzten Prognose besteht zudem Unsicherheit im Zusammenhang mit dem institutionellen Abkommen. Eine Verschlechterung des Verhältnisses der Schweiz mit der EU könnte die Standortattraktivität und die Investitionsbereitschaft in der Schweiz beeinträchtigen. Im Inland bleibt angesichts schwelender Ungleichgewichte weiterhin auch das Risiko einer starken Korrektur im Immobiliensektor bestehen.

* Weiterführende Informationen zum Sportevent-Effekt: Konjunkturtendenzen Frühjahr 2018 und Herbst 2017.


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Letzte Änderung 12.02.2020

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