Nach wie vor gute Arbeitsbedingungen in der Schweiz

Bern, 22.05.2017 - Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat in Zusammenarbeit mit der Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS 2015 zum zweiten Mal an der Europäischen Erhebung über Arbeitsbedingungen teilgenommen. Die Anzahl Schweizer, die berichteten, ihre Gesundheit sei gut oder sehr gut ist im Europäischen Vergleich nach wie vor hoch. Aber der Gestaltungsspielraum der Angestellten nimmt tendenziell ab.

Im Europäischen Vergleich beurteilen überdurchschnittlich viele Schweizer Angestellte ihren allgemeinen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut (89% vs. Europa 80%). Der Anteil derjenigen, die zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen sind, ist fast gleich hoch (88%) und entspricht dem Europäischen Durchschnitt. Vergleichsweise wenige Schweizer Erwerbstätige berichten, dass ihre Gesundheit oder Sicherheit durch die Arbeit gefährdet sei (15% vs. Europa: 24%). Ausserdem ist der Anteil derjenigen, die eine negative Auswirkung ihrer Arbeit auf ihre Gesundheit feststellen, relativ tief (15% vs. Europa: 27%).

Das Arbeitstempo und der Termindruck der abhängig Erwerbstätigen sind zwischen 2005 und 2015 zurückgegangen und entsprechen aktuell dem europäischen Durchschnitt. Jeweils rund ein Drittel der Schweizer Angestellten berichtet, drei Viertel der Zeit mit hohem Tempo (32%) oder unter Termindruck (33%) arbeiten zu müssen.

Abnahme des Gestaltungsspielraums
Im Allgemeinen scheinen schweizweit mehrere Aspekte des eigenen Gestaltungsspielraums der unselbständig Beschäftigten zwischen 2005 und 2015 tendenziell abzunehmen, wie z.B. die Möglichkeit, das Arbeitstempo (2005: 73%; 2015: 68%), die Reihenfolge von Aufgaben (2005: 71%, 2015: 63%) oder das Vorgehen beim Erledigen einer Aufgabe (2005: 80%; 2015: 72%) zu bestimmen. Mit dieser Entwicklung gleichen sie sich dem europäischen Durchschnitt an. Dies bedeutet, dass die Schweiz gegenüber der Erhebung 2005 ihre Spitzenposition beim Gestaltungsspielraum eingebüsst hat.

Die Kombination aus fehlender zeitlicher Autonomie und hohem Zeitdruck kann sich besonders ungünstig auf die Gesundheit auswirken. Von dieser ungünstigen Kombination sind rund 11 Prozent der abhängig Erwerbstätigen betroffen.

Zunahme der physischen Belastungen
Die Schweiz erfährt zwischen 2005 und 2015 bei einer Mehrzahl der untersuchten physischen Belastungen bei der Arbeit tendenziell eine Zunahme (z.B. starker Lärm, Vibrationen, schmerzhafte Körperhaltung, repetitive Bewegungen). Dieser Trend steht im Gegensatz zu Europa, wo der Anteil Erwerbstätiger, die solche Arbeiten verrichten, stabil bleibt. In den Nachbarstaaten nehmen sie sogar ab. Insgesamt gleicht sich die Schweiz dem europäischen Durchschnittsniveau an.

Selbstständige Erwerbstätige
Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat eine separate Auswertung zur Situation bei den Selbständigerwerbenden durchgeführt Diese zeigt, dass die Arbeitsbedingungen der Selbständigen sich in zahlreichen Bereichen von denjenigen der abhängig Erwerbstätigen unterscheiden. Die Anteile der Selbständigen, die berichten, dass sie lange Arbeitstage haben, an Wochenenden arbeiten, zeitlich flexibel sein müssen, oft in der Freizeit arbeiten oder kurzfristig zur Arbeit kommen müssen, sind höher als bei den abhängig Erwerbstätigen.

Selbständigerwerbende haben oft mehr Freiheiten bei der Festlegung ihrer Arbeitszeiten als abhängig Beschäftigte. 67 Prozent der Selbständigerwerbenden haben grosse Freiheiten bei der Festlegung ihrer Arbeitszeiten, wobei bei den Arbeitnehmenden lediglich 12 Prozent die Arbeitszeiten vollständig selber festlegen können. Besonders deutlich ist der Unterschied bei der freien Pausenwahl. Während 70 Prozent der Selbständigerwerbenden selbst bestimmen können, wann sie ihre Pausen machen wollen, kann dies deutlich weniger als die Hälfte aller abhängig Beschäftigten (42%).

Die Anteile an Selbständigen die angeben, keine eintönigen Arbeiten zu verrichten, hohe Anerkennung erhalten, eigene Ideen umsetzen können oder wichtige Entscheidungen beeinflussen zu können, sind höher als bei den abhängig Erwerbstätigen. Diese Aspekte wirken in der Regel entlastend. Zudem ist die inhaltliche Autonomie ausgeprägt. Sie können die Aufgaben selbstbestimmter der eigenen Arbeitsweise anpassen. Während 63 Prozent der Angestellten die Reihenfolge ihrer Aufgaben bestimmen können, sind es 79 Prozent bei den Selbständigerwerbenden. Letztere können mit 83 Prozent häufiger ihr Arbeitstempo resp. ihres Arbeitsrhythmus bestimmen als abhängig Beschäftigte (68%).

Die EWCS-Studie
Bei der Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen sind 2015 mehr als 43‘000 Erwerbstätige aus 35 Ländern befragt worden. Die Schweizer Stichprobe besteht aus 1‘006 Erwerbstätigen und ist repräsentativ für die gesamte Erwerbsbevölkerung. Das Monitoring der Entwicklung der Arbeitsbedingungen sowie der Vergleich mit den Nachbarstaaten zeigt den Behörden, in welchen Bereichen mögliche Gesundheitsrisiken vorkommen und eine Steuerung angezeigt ist.


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Letzte Änderung 28.12.2016

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