Für gewisse Branchen stellen sich im Bereich der CSR besondere Herausforderungen. Branchenspezifische CSR-Instrumente sind nützlich, um Unternehmen bei der Wahrnehmung der verantwortungsvollen Unternehmensführung im Zusammenhang mit spezifischen Sektoren und Produkten zu unterstützen. Zudem sind Unternehmen mit Aktivitäten in Gebieten, in welchen der Staat seine Verantwortung der Regulierung wenig oder nicht wahrnimmt, vor grosse Herausforderungen gestellt. Der Bund initiiert und unterstützt branchenspezifische Instrumente.
Rohstoffsektor
Der Bundesrat unterstützt insbesondere folgende Instrumente und Initiativen im Bereich der Menschenrechte, Umwelt- und Sozialstandards sowie der Korruptionsbekämpfung:
- Der « Leitfaden für die Umsetzung der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte durch den Rohstoffhandelssektor» bietet einen Katalog mit Rezepten, um die menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung kohärent mit den OECD-Leitfäden zur Sorgfaltsprüfung durchzuführen. Er wurde zusammen mit Rohstoffunternehmen, NGOs, dem Kanton Genf und betroffenen Bundesbehörden, darunter das SECO, erarbeitet (vgl. Artikel "Leitfaden will Menschenrechte im Rohstoffhandel gewährleisten", 23.9.2019).
- OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für Minerale aus Konflikt- und Hochrisikogebieten: Der Leitfaden dient den in Konflikt- und Hochrisikogebieten aktiven Unternehmen der Rohstoffbranche dazu, die Sorgfaltsprüfung für die Lieferkette wahrzunehmen und damit zu verhindern, Konflikte indirekt zu unterstützen oder zu Menschenrechtsverletzungen beizutragen. Der Leitfaden enthält zwei Zusatzdokumente zu den spezifischen Herausforderungen beim Abbau und Handel von Zinn, Tantal und Wolfram sowie Gold.
- OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur konstruktiven Stakeholderbeteiligung im Rohstoffsektor:
Der Leitfaden unterstützt Unternehmen der Minen-, Öl- und Gasindustrie bei der Berücksichtigung der Interessen der Anspruchsgruppen (z.B. die einheimische Bevölkerung, Arbeitnehmer, kleingewerbliche Mineure) im Rahmen der unternehmerischen Sorgfaltsprüfung. - Freiwillige Grundsätze für Sicherheit und Menschenrechte für Unternehmen des Bergbaus und der Ölförderung: Die Grundsätze leiten Unternehmen des Bergbaus und der Ölförderung an, Risiken zu evaluieren und Massnahmen zu treffen, damit bei der Wahrung der Sicherheit dieser Unternehmen durch Sicherheitsfirmen, Militär und Polizei die Menschenrechte eingehalten werden (vgl. unten zum "Sicherheitssektor").
- Extractive Industries Transparency Initiative: Die Initiative verbessert die Transparenz von Zahlungen an Regierungen von Förderländern durch Rohstoffunternehmen, die mit Mineralien, Gas und Öl arbeiten.
- Better Gold Initiative (PDF, 226 kB, 04.08.2022): Das Projekt baut Wertschöpfungsketten für nachhaltig produziertes Gold von der Mine bis zum Markt auf.
- UN Environment International Resource Panel: Das Panel widmet sich der wissenschaftlichen Basis für mögliche politische Lösungswege und Massnahmen zur Entkoppelung von wirtschaftlicher Entwicklung und Ressourcenverbrauch.
Landwirtschaftssektor
Zur Sicherung der weltweiten Ernährung braucht es verantwortungsvolle Investitionen in die Land- und Ernährungswirtschaft. Durch die Wahrnehmung der Sorgfaltsprüfung für ihre Wertschöpfungskette beugen Unternehmen allfälligen negativen Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt vor. Zur Umsetzung dieser Anliegen dienen u.a. folgende Instrumente:
- OECD/FAO-Leitfaden für verantwortungsvolle landwirtschaftliche Lieferketten: Der Leitfaden unterstützt in der Landwirtschaft und mit diesbezüglichen Produkten tätige Unternehmen dabei, ihre Sorgfaltsprüfung für eine nachhaltige Wertschöpfungskette gestützt auf internationale Standards wahrzunehmen. Siehe auch OECD/FAO-Unternehmenshandbuch zu Entwaldung und Sorgfaltspflichten in landwirtschaftlichen Lieferketten (einschl. Zusammenfassung (PDF, 522 kB, 13.10.2025)).
- Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao: Diese vom SECO unterstützte Plattform führt mit den beteiligten Akteuren einen Dialog, setzt sich gemeinsame Ziele und entwickelt zusammen Lösungen für die Herausforderungen in der Produktion und Beschaffung von nachhaltigem Kakao.
- Soja Netzwerk Schweiz: Diese freiwillige Brancheninitiative setzt sich für einen verantwortungsbewussten Anbau und eine nachhaltige Beschaffung von Futtersoja ein.
- Palmöl Netzwerk Schweiz: In diesem Netzwerk bündeln wichtige Akteure der Lebensmittelbranche ihre Kräfte. Sie setzen sich für den Anbau, die Verarbeitung, Vermarktung und Verwendung von nachhaltigem Palmöl und Palmkernöl ein.
Finanzsektor
Aufgrund der vielfältigen Investitionstätigkeit und komplexen Geschäftsmodelle bestehen im Finanzsektor besondere Risiken für mögliche negative Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Die folgenden Instrumente und Initiativen dienen dazu, die Risiken zu mindern:
- OECD Responsible Business Conduct in the Financial Sector: Die OECD stellt Instrumente zur Umsetzung der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen für den Finanzsektor (u.a. institutionelle Anleger, Banken) zur Verfügung.
- Thun-Gruppe: Im Rahmen dieser Initiative haben international tätige Universalbanken ein Diskussionspapier zur Umsetzung der UNO-Leitprinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechten erarbeitet.
- Swiss Sustainable Finance (englisch): Der Schweizer Verband für nachhaltige Finanzen dient der Positionierung der Schweiz im globalen Markt für nachhaltige Finanzen und als Plattform für den diesbezüglichen Austausch.
- UNEP Inquiry into the Design of a Sustainable financial system: Diese Initiative dient dazu, Best-Practice-Beispiele und Erfahrungen verschiedener Länder zu sammeln und Strategien für eine bessere Ausrichtung des Finanzsystems auf die Bedürfnisse einer nachhaltigen Entwicklung zu definieren.
Sicherheitssektor
In bewaffneten Konflikten und in Gebieten, in denen die Rechtsstaatlichkeit gefährdet ist, beauftragen Staaten und Unternehmen oft private Militär- und Sicherheitsunternehmen mit Aufgaben zur Wahrung der Sicherheit.
Das Montreux-Dokument gibt einen Überblick über die völkerrechtlichen Verpflichtungen von privaten Militär- und Sicherheitsunternehmen, die in bewaffneten Konflikten im Einsatz stehen. Weiter enthält es gute Praktiken für Staaten, damit diese ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen können. Durch die Unterzeichnung des internationalen Verhaltenskodex für private Sicherheitsunternehmen verpflichten sich Unternehmen zur Achtung der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts in Gebieten, in denen die Rechtsstaatlichkeit gefährdet ist. Gute Praktiken bei der Zusammenarbeit mit öffentlichen Sicherheitskräften und privaten Sicherheitsanbietern finden sich im Toolkit "Addressing Security and Human Rights Challenges in Complex Environments."
Textil- und Schuhsektor
Der Textil- und Schuhsektor ist weltweit einer der grössten Konsumgütersektoren. Mögliche Risiken betreffend negativer Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt bestehen im Zusammenhang mit der direkten Tätigkeit des jeweiligen Unternehmens oder seiner Wertschöpfungskette. Die OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten in der Bekleidungs- und Schuhwarenindustrie dient zur Umsetzung der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen insbesondere hinsichtlich der Sorgfaltsprüfung betreffend Menschenrechten und Umwelt in der Wertschöpfungskette. Der Leitfaden soll Unternehmen dabei unterstützen, mögliche Risiken zu identifizieren und zu vermindern sowie darüber zu berichten. Mit einem Selbsttest kann ein Unternehmen oder eine Nachhaltigkeitsinitiative prüfen, ob die Empfehlungen des Leitfadens umgesetzt werden.
Sustainable Textiles Switzerland 2030 ist ein Multi-Stakeholder-Programm mit der Mission, einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele im Schweizer Textil- und Bekleidungssektor entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu leisten.
Tourismussektor
Der Bund unterstützt im Rahmen der Tourismuspolitik verschiedene Initiativen zur Förderung des nachhaltigen Tourismus.
Das Nachhaltigkeitsprogramm Swisstainable steht allen Unternehmen und Organisationen im Schweizer Tourismus offen. Teilnehmende Organisationen erhalten das Swisstainable-Signet. Das Programm ist in drei Stufen unterteilt, um den unterschiedlichen Anforderungen und Engagements der Betriebe Rechnung zu tragen. Das Programm teilt bereits bestehende Zertifizierungen (z.B. EarthCheck) und Nachweise zur Nachhaltigkeit in verschiedene Stufen ein. Damit wird keine neue Zertifizierung geschaffen, sondern Orientierung geboten. Swisstainable ist Teil des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit (KONA) des Schweizer Tourismus-Verbands.